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Joyce Hübner läuft durch ein Kornfeld – Runner's High beim Trainingslauf

Runner's High – Der Zustand, den du nicht erzwingen kannst

23 Min. Lesezeit

Ich laufe täglich einen Marathon. Ich habe über 120 Marathons in 143 Tagen absolviert. Ich laufe gerade durch 2.059 deutsche Städte – einen Marathon pro Tag, 495 Tage am Stück.

Und trotzdem erlebe ich das Runner's High selten. Sehr selten.

Das klingt paradox. Aber es ist genau das, was dieses Phänomen so faszinierend macht: Es kommt nicht, wenn man es verdient. Es kommt nicht, wenn man hart genug trainiert oder weit genug gelaufen ist. Es kommt ausschließlich dann, wenn der Kopf aufgehört hat zu organisieren – und der Körper einfach läuft.

Was ist das Runner's High wirklich – und warum haben die meisten Ratgeber Unrecht? In diesem Artikel erkläre ich dir, was die aktuelle Wissenschaft sagt, warum Endorphine nicht der Auslöser sind, und unter welchen Bedingungen es wirklich entsteht.

Kurz erklärt:

Das Runner's High ist ein Zustand von Euphorie und Leichtigkeit beim Laufen, der durch Endocannabinoide im Gehirn ausgelöst wird. Es tritt vor allem bei langen, moderaten Läufen ohne Zeitdruck auf – und lässt sich nicht erzwingen, aber gezielt begünstigen.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Das Runner's High entsteht durch Endocannabinoide – nicht durch Endorphine (das ist wissenschaftlich überholt)
  • Es tritt fast ausschließlich bei gleichmäßigem, moderatem Grundlagentempo auf – nicht bei Intervallen oder Wettkämpfen
  • Bedingung: monotone Strecke, kein Zeitdruck, kein konkreter Plan
  • Es ist nicht erzwingbar – aber die Wahrscheinlichkeit lässt sich erhöhen
  • Frühestens nach 5 km, oft erst nach 10–20 km

Inhaltsverzeichnung

Was ist das Runner's High?

Das Runner's High ist ein Zustand tiefer Euphorie, Leichtigkeit und emotionalen Wohlbefindens, der während oder nach intensivem Ausdauertraining auftreten kann. Es ist kein Mythos – aber es ist deutlich seltener und schwerer zu erreichen, als die meisten Laufratgeber vermuten lassen.

Wer es einmal erlebt hat, versteht sofort, warum Menschen süchtig nach dem Laufen werden. Wer es noch nicht erlebt hat, fragt sich vielleicht, ob es überhaupt real ist.

Es ist real. Aber es kommt zu seinen eigenen Bedingungen – nicht zu deinen.

Endorphine oder Endocannabinoide? Was die Wissenschaft wirklich sagt

Jahrzehntelang galt die Erklärung als klar: Runner's High = Endorphin-Ausschüttung. Laufen → Stress → Endorphine → Euphorie. Diese Version findet sich heute noch in den meisten Ratgebern.

Das Problem: Sie ist wissenschaftlich überholt.

Das Endorphin-Modell und sein entscheidender Fehler

Endorphine werden beim Sport tatsächlich ausgeschüttet und wirken schmerzlindernd. Aber sie haben ein grundlegendes Problem: Endorphine können die Blut-Hirn-Schranke nicht passieren. Was im Blut ist, kommt nicht im Gehirn an. Euphorie aber entsteht im Gehirn.

Endocannabinoide: Der aktuelle Forschungsstand

Eine Studie der Universität Heidelberg, 2021 in PNAS veröffentlicht, konnte erstmals zeigen: Endocannabinoide sind der Hauptmechanismus des Runner's High – nicht Endorphine.

Endocannabinoide sind körpereigene Lipid-Neurotransmitter, die die Blut-Hirn-Schranke problemlos passieren und an dieselben Rezeptoren binden wie THC. Das erklärt die charakteristische Mischung aus Euphorie, Zeitgefühlsverlust und tiefer Entspannung.

Die wichtigsten Endocannabinoide beim Laufen:

  • Anandamid (Sanskrit: Ananda = Glückseligkeit) – der Hauptbotenstoff
  • 2-AG – verstärkt die angstlösende Wirkung

Entscheidend für die Praxis: Endocannabinoide werden durch gleichmäßiges, moderates Ausdauertraining produziert – nicht durch maximale Intensität. Intervalltraining und Sprints fördern das Runner's High kaum. Wer seine aerobe Basis aufbauen will – und damit die Voraussetzungen für das Runner's High verbessern – findet hier mehr: VO₂max verstehen und verbessern →

Wichtig zur Einordnung

Die Forschung ist noch nicht abgeschlossen. Beide Systeme – Endocannabinoide und Endorphine – sind beim Sport aktiv. Die aktuelle Evidenz spricht aber klar dafür, dass Endocannabinoide für das Runner's High ursächlich sind, während Endorphine primär die periphere Schmerzwahrnehmung dämpfen.

Wie fühlt sich das Runner's High konkret an

Es ist ein Trance-Zustand. Aber kein beängstigender – ein positiver Tunnel.

Man merkt, dass man läuft. Die Beine sind da, der Körper bewegt sich. Aber die Anstrengung ist weg. Nicht weil man aufgehört hätte zu arbeiten, sondern weil die Wahrnehmung der Arbeit verschwindet. Es läuft sich federleicht.

Man verliert das Zeitgefühl komplett. Es fühlt sich warm an. Und schön. Und man möchte dieses Gefühl so lange wie möglich am Leben erhalten – was dazu führt, dass man instinktiv alles vermeidet, was es unterbrechen könnte.

Wie ich das Runner's High erlebe

Für mich ist es wie ein Trance-Zustand – aber ein positiver Tunnel. Man merkt, dass man läuft, aber es macht einem überhaupt nichts aus. Man findet die Situation, in der man gerade ist, einfach großartig. Federleicht. Man verliert komplett das Zeitgefühl. Warm und schön.

Und in dem Moment fange ich instinktiv an, Ampeln zu vermeiden. Pausen zu vermeiden. Alles, was diesen Zustand stören könnte, will ich ausschalten. Ich laufe einfach stupide weiter – und das ist genau richtig so.

Wann tritt das Runner's High auf – und wann definitiv nicht

Die Bedingungen, unter denen es eintritt

1. Kein Plan. Fast immer passiert es, wenn ich eigentlich keine Lust hatte zu laufen, mich trotzdem aufgerafft habe – und dann einfach losgelaufen bin. Ohne Pace. Ohne Kilometer-Ziel. Ohne dass ich irgendetwas geplant hatte.

2. Monotone, stumpfe Strecke. Je langweiliger die Strecke, desto wahrscheinlicher das Runner's High. Gerade Strecke, gleichmäßiger Untergrund, keine Abbiegungen, keine Hindernisse. Der Kopf braucht nichts zu tun.

3. Frühestens nach Kilometer 5 – oft erst nach 10 oder 20. Es gibt eine Einstiegshürde. Vorher ist der Körper noch im Anpassungsmodus. Kurze Läufe erzeugen kein Runner's High.

4. Gemütliches Grundlagentempo. Kein Herzfrequenz-Alarm, kein Tempo-Druck. Ein Tempo, das man theoretisch stundenlang laufen könnte.

Warum es beim Städtetrip nicht passiert ist

Ich laufe täglich einen Marathon durch wechselnde Städte – und habe beim Städtetrip noch kein einziges Runner's High erlebt. Das Höhenprofil sieht jeden Tag anders aus. Die Strecke verändert sich ständig. Der Untergrund wechselt. Ich muss navigieren, konzentrieren, reagieren. Ich habe zu viel um mich herum.

Genau das ist das Gegenteil der Bedingungen, die ein Runner's High entstehen lassen. Der Kopf muss leer sein – nicht beschäftigt.

Was definitiv nicht funktioniert

  • Intervalltraining
  • Tempoläufe
  • Wettkämpfe
  • Jeder Lauf mit konkretem Ziel, Pace-Vorgabe oder Zeitdruck
  • Strecken mit ständig wechselndem Untergrund oder Profil

Runner's High vs. Wettkampf-Trance: Der Unterschied

Im Wettkampf erlebe ich etwas anderes – etwas Verwandtes, aber nicht dasselbe.

Joyces Praxis-Einblick

Im Rennen komme ich in einen Flow-Zustand – aber der wird von außen getriggert: das Publikum am Streckenrand, die Zahlen auf der Uhr, die mir sagen, dass ich auf Bestzeit-Kurs bin. Dieser externe Hype erzeugt einen Rausch. Man ist im Tunnel, alles andere existiert nicht mehr.

Das klassische Runner's High im Training kommt dagegen von innen. Ohne Publikum. Ohne Bestzeit-Druck. Es ist stiller – und genau deshalb tiefer.

Runner's High vs. Wettkampf-Trance – der Unterschied

Beide Zustände fühlen sich wie ein Tunnel an. Aber sie entstehen auf völlig verschiedene Weise.

Das Runner's High kommt von innen – ungeplant, auf monotoner Strecke, nicht steuerbar. Das Gefühl: warm, still, federleicht. Der Hauptbotenstoff ist Anandamid, ein körpereigenes Endocannabinoid.

Die Wettkampf-Trance kommt von außen – getriggert durch Publikum, Uhr, Atmosphäre. Teilweise steuerbar, auf bekannter Strecke. Das Gefühl: aufgeregt, adrenalinisiert. Die Hauptbotenstoffe sind Adrenalin und Dopamin.

Gleicher Tunnel. Andere Ursache. Anderes Gefühl. Anderer Botenstoff.

Wie du das Runner's High wahrscheinlicher machst

Erzwingen kannst du es nicht. Aber du kannst aufhören, es zu verhindern.

Denn genau das tun die meisten Läufer unbewusst: Sie schaffen durch ihren Trainingsalltag systematisch die Bedingungen, unter denen das Runner's High niemals entstehen kann. Intervalle, Tempo, Strava-Ziele, Podcasts – alles gut für die Fitness. Alles schlecht für den Zustand, den wir hier suchen.

Was also tun?

Lass den Plan zuhause. Kein Strava-Ziel, keine Pace-Vorgabe, kein Kilometer-Countdown. Das klingt simpel – aber für die meisten ambitionierten Läufer ist es die schwerste Übung überhaupt. Fang damit an.

Wähle die langweiligste Strecke, die du kennst. Ein gerader Kanalweg, ein Waldpfad ohne Abbiegungen, eine flache Runde. Monotonie ist keine Schwäche – sie ist die Voraussetzung. Je weniger der Kopf zu tun hat, desto besser.

Lauf langsamer, als du denkst. Grundlagentempo, ungefähr 60–70 % der maximalen Herzfrequenz. Höhere Intensität unterdrückt die Endocannabinoid-Produktion. Was Grundlagentraining konkret bedeutet, erkläre ich hier: Grundlagenausdauer aufbauen →

Plane mindestens 60 Minuten ein. Die ersten 30–40 Minuten sind Anlaufphase – der Körper kommt an, der Kopf schaltet ab. Das Runner's High braucht diesen Vorlauf.

Lauf trotzdem – auch wenn du keine Lust hast. Das ist der kontraintuitivste Punkt. Und gleichzeitig der wichtigste. In meiner Erfahrung passiert das Runner's High fast ausschließlich bei Läufen, die ich eigentlich nicht wollte. Die Überwindung selbst scheint Teil des Prozesses zu sein.

Keine Ablenkung. Kein Podcast, kein Audiobook. Wenn Musik, dann nichts, das aktiv Aufmerksamkeit bindet. Der Kopf soll nicht beschäftigt werden – er soll leerlaufen. Das ist der Unterschied.

Mein Tipp

Wenn ich merke, dass ich kurz vor einem Runner's High bin – dieses Gefühl, dass man immer tiefer in einen angenehmen Trance-Zustand reinläuft – dann versuche ich, alles zu vermeiden, was den Zustand unterbrechen könnte. Ampeln umgehen. Keine Pause machen. Einfach weiterlaufen und jegliche Außeneinflüsse ausblenden. Das Gefühl will nicht gestört werden.

Wie lange hält das Runner's High an?

In meiner Erfahrung: irgendwo zwischen 3 und 5 Kilometer, dann verblasst es langsam. Es hört nicht abrupt auf – es lässt nach. Irgendwann merkt man wieder, dass man arbeitet. Dass die Beine schwerer werden. Spätestens dann ist das Gefühl weg.

Die wissenschaftliche Datenlage ist dünn, weil das Runner's High schwer zu reproduzieren und zu messen ist. Einzelberichte reichen von wenigen Minuten bis zu einer Stunde. Der Bereich von 20–30 Minuten subjektiver Erfahrung scheint am

Wichtig dabei

Die Dauer hängt stark von der Tagesform, dem Schlaf, dem Stresslevel und der Laufsituation ab. Erschöpfte Systeme produzieren keine Endocannabinoide. Ein Runner's High nach einem harten Trainingsblock ist unwahrscheinlich – auch wenn alle anderen Bedingungen stimmen.

Kann man das Runner's High erzwingen?

Alle wollen es. Niemand kann es auf Knopfdruck bestellen.

Das ist das Faszinierende und gleichzeitig das Frustrierende an diesem Zustand: Je mehr du ihn willst, desto unwahrscheinlicher wird er. Kognitiver Druck – „Wann kommt es endlich?" – ist genau die Art von Kopfaktivität, die ihn verhindert.

Es ist wie Einschlafen. Wer verzweifelt versucht einzuschlafen, liegt wach. Wer aufhört zu versuchen, schläft.

Meine ehrliche Einschätzung

Es passiert bei mir grundsätzlich selten – weil ich wenige Läufe mache, bei denen ich einfach drauf loslaufe ohne konkreten Plan. Intervalltraining, Tempolauf, Lauf-ABC – da wird es niemals passieren. Es kommt ausschließlich bei den planlosesten, entspanntesten Läufen. Und selbst dann: nicht immer. Es kommt einfach. Oder nicht.

Häufige Mythen zum Runner's High

Das Runner's High ist eines der meistzitierten und gleichzeitig meistmissverstandenen Phänomene im Laufsport. Hier sind die hartnäckigsten Irrtümer – und warum sie falsch sind.

„Je mehr man leidet, desto eher kommt das Runner's High." Das Gegenteil ist wahr. Hohes Tempo und maximale Intensität unterdrücken die Endocannabinoid-Produktion eher, als sie zu fördern. Wer sich kaputtläuft, läuft am Runner's High vorbei.

„Es entsteht durch Endorphine." Dieser Irrtum hält sich seit Jahrzehnten – obwohl er wissenschaftlich längst überholt ist. Endorphine passieren die Blut-Hirn-Schranke nicht. Endocannabinoide schon. Das ist der Unterschied zwischen Mythos und Mechanismus.

„Jeder Läufer erlebt es regelmäßig." Nein. Viele Läufer erleben es selten oder gar nicht – je nach Trainingsart, individueller Biochemie und Bedingungen. Wer nur Intervalle läuft, wird es wahrscheinlich nie erleben.

„Es ist immer intensiv und euphorisch." Nicht unbedingt. Oft ist es eher ein stilles, tiefes Wohlbefinden als ein explosiver Rausch. Wer auf den großen Knall wartet, erkennt es vielleicht gar nicht, wenn es da ist.

„Man braucht einen Marathon, um es zu erleben." Nein – aber man braucht Zeit. Für viele Menschen reichen 45–60 Minuten, wenn die übrigen Bedingungen stimmen. Die Distanz ist irrelevant. Die Qualität des Zustands entscheidet.

Fazit: Was das Runner's High mir nach tausenden Kilometern wirklich bedeutet

Ich habe inzwischen mehr Kilometer in den Beinen als die meisten Menschen in einem ganzen Lauferleben. Und trotzdem – oder vielleicht genau deshalb – ist das Runner's High für mich kein selbstverständlicher Begleiter. Es ist ein Gast. Einer, der kommt, wann er will.

Was ich in all diesen Kilometern gelernt habe: Die schönsten Läufe sind selten die schnellsten. Sie sind die, bei denen ich eigentlich keine Lust hatte – und dann doch losgelaufen bin. Bei denen ich die Uhr weggelassen habe. Bei denen die Strecke so langweilig war, dass mein Kopf endlich nichts mehr zu tun hatte.

Meine ehrliche Empfehlung: Hör auf, das Runner's High zu jagen. Schau stattdessen, wann es dir zuletzt passiert ist – und was die Bedingungen waren. Wahrscheinlich war es genau dann, als du am wenigsten drüber nachgedacht hast. Das ist kein Zufall. Das ist das System.

Bau dir einmal pro Woche einen Lauf ohne Plan ein. Keine Pace. Kein Ziel. Die langweiligste Strecke, die du kennst. Mindestens eine Stunde. Und dann schau, was passiert.

Es wird nicht jedes Mal kommen. Aber wenn es kommt – dann weißt du, warum.

FAQs

Häufig gestellte Fragen zum Runner`s High

Ist das Runner's High wissenschaftlich belegt?

Ja – eine Studie der Universität Heidelberg (2021, PNAS) konnte zeigen, dass Endocannabinoide der Hauptmechanismus sind, nicht Endorphine. Bildgebende Verfahren bestätigen erhöhte Cannabinoid-Rezeptor-Aktivierung im Gehirn nach Ausdauerbelastung.

Wie viele Kilometer muss ich laufen, um das Runner's High zu bekommen?

Das Runner's High tritt meist nach 45–60 Minuten moderatem Laufen auf, häufig ab 5–10 km. Entscheidend ist weniger die Distanz als die Dauer und ein gleichmäßiges, niedriges Tempo ohne Zeitdruck.

Erleben alle Läufer das Runner's High?

Nein – viele Läufer erleben es selten oder gar nicht. Genetik, Trainingszustand, Schlaf und Stresslevel beeinflussen die Endocannabinoid-Produktion individuell stark.

Was tue ich, wenn ich kurz davor bin?

Weiterlaufen, Tempo halten, keine Pausen machen. Alles, was den Zustand unterbrechen könnte – Ampeln, Ablenkungen, Tempowechsel – so weit wie möglich vermeiden.

Kann das Runner's High gefährlich werden?

In der Regel nicht. Das verminderte Schmerzempfinden kann aber dazu führen, dass man Verletzungssignale überhört – auf den Körper achten, auch im Hochgefühl.

Hat das Runner's High einen therapeutischen Nutzen?

Ja – das Endocannabinoid-System reguliert Stimmung und Angst. Regelmäßiges Ausdauertraining wird mit reduzierten Symptomen bei Angststörungen und Depressionen assoziiert, teils über denselben Mechanismus wie das Runner's High.

Warum habe ich nach einem Wettkampf kein Runner's High?

Wettkämpfe dominieren die Neurochemie mit Adrenalin und Cortisol, die das Endocannabinoid-System überlagern. Dazu fehlt die nötige kognitive Leere – im Rennen ist der Kopf permanent beschäftigt.

Glossar

Endocannabinoide Körpereigene Lipid-Neurotransmitter, die an Cannabinoid-Rezeptoren im Gehirn binden. Anders als Endorphine passieren sie die Blut-Hirn-Schranke und sind nach aktuellem Forschungsstand der Hauptmechanismus des Runner's High.

Anandamid Das wichtigste Endocannabinoid beim Runner's High. Benannt nach dem Sanskrit-Wort Ananda (Glückseligkeit). Wird bei moderater Ausdauerbelastung ausgeschüttet.

Blut-Hirn-Schranke Eine physiologische Schutzbarriere zwischen Blutkreislauf und Gehirn. Endorphine können sie nicht passieren – Endocannabinoide schon. Dieser Unterschied ist der Kern des wissenschaftlichen Paradigmenwechsels beim Runner's High.

Endorphine Körpereigene Opioidpeptide, die bei körperlicher Belastung ausgeschüttet werden und peripher schmerzlindernd wirken. Lange als Ursache des Runner's High angesehen – diese Annahme ist wissenschaftlich überholt.

Grundlagentempo Lockeres Lauftempo bei ca. 60–70 % der maximalen Herzfrequenz. Man kann sich dabei problemlos unterhalten. Dieses Tempo begünstigt die Endocannabinoid-Produktion am stärksten.

Flow-Zustand Von Mihály Csíkszentmihályi beschriebener Zustand völliger Absorption in eine Tätigkeit. Verwandt mit dem Runner's High, aber nicht identisch: Flow kann durch externe Faktoren getriggert werden, das Runner's High entsteht von innen.

Quellen & Studien

Fuss, J. et al. (2021) A runner's high depends on cannabinoid receptors in mice. PNAS – Proceedings of the National Academy of Sciences, 118(6). Kernbefund: Blockade von Cannabinoid-Rezeptoren verhindert das Runner's High; Blockade von Opioid-Rezeptoren nicht. Endocannabinoide, nicht Endorphine, sind der Hauptmechanismus.

Raichlen, D.A. et al. (2012) Wired to Run: Exercise-Induced Endocannabinoid Signaling in Humans and Cursorial Mammals with Implications for the 'Runner's High'. Journal of Experimental Biology, 215(8), 1331–1336. Erste größere Studie, die Endocannabinoide als relevante Komponente identifiziert.

Boecker, H. et al. (2008) The Runner's High: Opioidergic Mechanisms in the Human Brain. Cerebral Cortex, 18(11), 2523–2531. PET-Bildgebungsstudie mit erhöhter Opioid-Bindung nach Ausdauerbelastung – liefert Teilbefunde für das Endorphin-Modell.

Csíkszentmihályi, M. (1990) Flow: The Psychology of Optimal Experience. Harper & Row. Theoretische Grundlage für den Flow-Zustand und dessen Abgrenzung vom Runner's High.

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Joyce Hübner - Marathonläuferin, Ultraläuferin & Content Creatorin

Joyce Hübner läuft seit Jahren Marathons und Ultras – und macht Laufen für eine breite Community greifbar. Aktuell absolviert sie das Projekt Joyce Städtetrip: 495 Marathons in 495 Tagen durch 2.059 deutsche Städte.

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