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Läufer der Wegläuft
Praktikant

Warum Läufer eigentlich nur rennen, um vor ihren Problemen wegzulaufen

6 Min. LesezeitPraktikant
Der Praktikant und seine Rubrik

Dem Praktikant seine Rubrik

Journalismus mit Haltung. Also Seitenstechen. Die Verantwortliche der Seite übernimmt keine Verantwortung für das, was hier passiert. Der Autor „Der Praktikant von Joyce“ und rudimentärer-selektiver Läufer hat Zugang zum Backend. LEIDER.

Mehr über den Übeltäter

Laufen ist gesund, sagen sie.
Laufen ist Freiheit, sagen sie.
Laufen ist die pure Lebensfreude, sagen sie.

Ich sage: Laufen ist kontrollierte Panik mit Pulsmessung.
Und vor allem: Es ist Flucht. Vor Verpflichtungen, Verantwortung und dem Fakt, dass der Thermomix mehr Kontrolle über dein Leben hat als du selbst.

Läufer sind Fluchttiere. Keine gazellenartigen, federnden Überwesen, sondern nervös zappelnde Mitteleuropäer mit Carbonsohle und Commitment-Issues.

Denn mal ehrlich – wer bei klarem Verstand rennt freiwillig 21 Kilometer am Stück, um am Ende eine Banane zu bekommen, die aussieht wie schon mal gegessen?

Wir laufen, weil wir sonst auf der Couch sitzen müssten und merken würden, dass unser Leben wie ein IKEA-Regal ohne Anleitung ist:
Wacklig, überteuert und mit drei fehlenden Schrauben.

Die stille Flucht in Funktionskleidung

Jeder Lauf beginnt mit dem Satz: „Ich brauch das für mich.“
Und endet mit: „Warum mach ich das eigentlich?“

Denn unter jedem atmungsaktiven High-Tech-Shirt schlägt ein Herz, das irgendwas kompensieren will:
Die unaufgeräumte Wohnung. Die Karriere, die nie Karriere wurde. Den Ex-Partner, der jetzt Yoga unterrichtet und dabei endlich erfüllt aussieht.

Es ist ein Lebensprinzip:
Andere gehen zur Therapie – Läufer buchen einen Wettkampf.

  • Probleme im Job? 15 km mit Steigung.
  • Familiendrama? Intervalltraining bis zum Kreislaufzusammenbruch.
  • Liebeskummer? Long Run mit trauriger Spotify-Playlist und Tränen in den Augen – aber nur, wenn’s keiner sieht.

Denn Läufer sind emotionale Ninjas. Schmerz wird weggeatmet, Frust wird weggelaufen, und Gefühle werden... ignoriert. Oder mit Magnesium behandelt.

Die Kirche des Schmerzes

Laufen ist längst keine Sportart mehr, sondern eine Ersatzreligion.

  • Die Kirche: Strava.
  • Die Bibel: "Born to Run".
  • Der heilige Gral: Sub 3 im Marathon.
  • Das Opferlamm: Deine Knie.

Jeden Sonntag pilgern Millionen in die Parks, auf die Trails und durch die Innenstädte – in neonfarbenen Schuhen, mit ernsten Mienen und Bauchgurten, die mehr Technik tragen als ein NASA-Satellit.

Sie leiden still. Oder sehr laut. Je nach Pace.

Die große Lüge: „Ich laufe für mich.“

Diese Lüge ist so weit verbreitet wie Blasenpflaster bei Hobby-Marathonis.

Natürlich rennen wir nicht „für uns“. Wir rennen, weil wir gesehen werden wollen.
Am besten:

  • Vom Nachbarn, der gerade grillt und neidisch rüberglotzt.
  • Von der Ex, die zufällig am Café steht.
  • Oder von einem Eichhörnchen, das dann später all seinen Freunden erzählt, dass da wieder einer mit Endorphinüberschuss rumgetobt ist.

Wer ganz ehrlich ist, weiß:
Läufer sind Poser. Nur halt sehr erschöpfte.

Die schönsten Probleme, vor denen man wegrennen kann:

  1. Finanzielle Verantwortung
    → Lösung: Laufshopbesuch, neue Carbon-Schuhe, 260 Euro ärmer, aber hey – 40 Gramm leichter!
  2. Paartherapie
    → „Sorry Schatz, 18-km-Longrun heute. Vielleicht morgen. Oder nie.“
  3. Kindergeschrei
    → Noise-Cancelling durch hohe Herzfrequenz.
  4. Haushalt
    → Wer läuft, darf nicht wischen. Ist ein Naturgesetz. (Oder sollte es sein.)
  5. Existenzangst
    → „Wenn ich schneller renne, holt sie mich nicht ein.“

Wenn das Leben ruft – geh einfach nicht ran

Es gibt Momente, da spürst du: Jetzt müsste ich was ändern. Was klären. Was regeln.
Und genau in diesem Moment schnürst du die Schnürsenkel doppelt fest, öffnest die Lauf-App und sagst dir:
„Erstmal 10 Kilometer. Dann seh ich weiter.“

(Spoiler: Du wirst nicht weitersehen. Nur verschwommen.)

Fazit: Laufen ist Therapie – aber halt ohne Lösung

Laufen löst nichts. Aber es macht Probleme leiser.
Es ist wie ein Mute-Button fürs Leben.
Du vergisst für ein paar Kilometer, dass du eigentlich keinen Plan hast. Dass dein Kühlschrank leer ist. Dass du den Steuerberater seit drei Wochen ghostest.

Stattdessen läufst du.
Nicht weil du stark bist.
Sondern weil du weißt:
Wenn du stehen bleibst, musst du dich den Fragen stellen.

Was will ich vom Leben?
Wo will ich hin?
Und warum zur Hölle tut mein Oberschenkel so weh, obwohl ich gar nichts gemacht hab?!

Ich laufe nicht, weil ich frei bin.
Ich laufe, weil ich sonst verrückt werde.
Und weil der Kühlschrank zu Hause immer noch leer ist.

Aber hey – 9,8 Kilometer.
Neue persönliche Bestzeit.
Und morgen? Laufen wir weiter.

Vor was auch immer...

Liebe Läufer, nehmt das bitte nicht zu ernst, ich mag euch ja!!!! Und jetzt weiterlaufen...

In läuferischer Liebe
Der Praktikant

Joyce Hübner Running

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